28.10.2009 03:00
IG KÖLN VorOrt nimmt Stadtdirektor Kahlen in die Pflicht und fordert Chancengleichheit für Veedel
Köln, 27.10.2009: Die Kölner Konsensrunde zur Regelung von
Sonderöffnungszeiten von Verkaufsstellen an Sonntagen trat bislang
zusammen, um dem Rat der Stadt Köln einen Konsens zwischen Handel,
Gewerkschaften, Kirchen, Parteien und Stadtverwaltung vorlegen zu
können, dem bisher immer zugestimmt wurde, da die Parteien sich an der
Konsensrunde im vorpolitischen Raum bereits beteiligten. Die derzeit
geltende Praxis sieht vor, dass jeder der 85 Stadtteile an drei
Sonntagen im Jahr öffnen kann, sofern sich diese drei Sonntage in
maximal 24 Aktivsonntage für die Stadtteile und maximal 3 Aktivsonntage
für die Innenstadt einsortieren. Die sogenannte "24+3-Lösung". Damit
wurde insbesondere den Interessen der Kirchen Rechnung getragen, dass
an 25 Sonntagen im Jahr (52 - 27 = 25) keine kommerziellen Aktivitäten
stattfinden. Diese Praxis hat sich bewährt, zumal die so wichtige
räumliche Entzerrung der Sonntagsöffnungen praktiziert wurde, die
vorsah, dass zum Beispiel Sülz-Klettenberg, Chorweiler und Rath-Heumar
an einem selben Sonntag von 13:00 bis 18:00 Uhr öffnen konnten. Durch
die räumliche Entzerrung entstanden größere Einzugsgebiete im Umfeld,
um ausreichend Kunden in das jeweilige Zentrum zu werben.
Die Konsensrunde für die Sonntagsöffnungen 2010 tritt am 2. November
2009 zusammen. Hierbei soll nach Wunsch des Einzelhandels- und
Dienstleistungsverbandes Aachen-Düren-Köln e.V. bereits Konsens darüber
erzielt werden, dass der Rat der Stadt Köln der Innenstadt einen am 9.
September 2009 beantragten, vierten verkaufsoffenen für den 27.
Dezember 2009 genehmigen soll. In der Begründung des
Einzelhandelsverbandes in einem Schreiben an Stadtdirektor Guido Kahlen
heißt es: "Die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise sind auch
im Einzelhandel deutlich spürbar. Nachdem wir bereits im ersten
Halbjahr 2009 ein deutliches reales Umsatzminus hinnehmen mussten, sind
die Perspektiven für das zweite Halbjahr noch erheblich negativer. Wir
befürchten drastische Umsatzrückgänge, vor allem, wenn der Arbeitsmarkt
- wie von allen Experten prognostiziert - im Laufe der nächsten Monate
spürbar einbrechen wird. Die zum Teil bereits dramatische Situation im
Einzelhandel wird durch die Insolvenz und Schließung großer und
bedeutender Handelsunternehmen in letzter Zeit dokumentiert. Aber auch
die Lage der mittelständischen, inhabergeführten Fachgeschäfte ist
vergleichbar prekär. Aus den genannten Gründen, die Ihnen sicherlich
bekannt sein dürften, ist die Genehmigung des beantragten Sonntags zur
Existenzsicherung und Überlebensfähigkeit vieler
Einzelhandelsunternehmen zwingend notwendig."
Michael Musto, Vorstandssprecher der IG KÖLN VorOrt: "Die Begründung
des Einzelhandelsverbands ist leider zutreffend. Sie spricht aber für
den gesamten Einzelhandel, also auch für die Stadtteile. Die IG
KÖLN-VorOrt ist daher bereit, dem Antrag der Innenstadt vom 9.
September 2009 für einen vierten verkaufoffenen Sonntag am 27.12.2009
zuzustimmen. Allerdings sähen wir darin möglicherweise eine
prejudizierende Auswirkung auf die Erwartungshaltungen der Innenstadt
und anderer Stadtteile für den Konsens 2010 bzw. den der Folgejahre.
Insofern würden wir im Falle der Genehmigung des genannten vierten
Sonntags 2009 zu Gunsten der Innenstadt darauf bestehen müssen, dass im
Jahr 2010 allen Stadtteilen – die nicht minder von der allgemein
schwierigen wirtschaftlichen Lage heimgesucht sind – ebenfalls ein
vierter verkaufsoffener Sonntag genehmigt werden muss. Schließlich
wurde die Konsensrunde seinerzeit gerade für die Belebung des
Einzelhandels in den Veedeln ins Leben gerufen."
Für die IG KÖLN VorOrt ist denkbar, dass sich künftige vier
verkaufsoffene Sonntage für alle Stadtteile dennoch in die bestehenden
24-plus-Sonntage „einsortieren“ können und hierdurch lediglich ein
neues Modell „24+4“ entstehen würde. Damit blieben an 24 Sonntagen im
Jahr alle Geschäfte in Köln geschlossen. Allerdings sieht sie in dieser
Entwicklung auch die Gefahr, dass die Parteien im Rat der Stadt Köln zu
Gunsten dieser Variante keine Mehrheiten mehr entwickeln und sogar das
Risiko, dass das Modell der Sonntagsöffnungen auf Stadtteilebene
gekippt und eine Variante auf Stadt-Köln-Ebene Einzug halten könnte.
Musto: "Das ist das absolute Horrorszenarium, wenn es vier Sonntage für
die ganze Stadt gäbe, alle Kunden in die Innenstadt führen und die
Vororte ohne Umsatz in ihren Läden austrocknen würden. Der große Erfolg
der bisherigen Modelle war gerade die räumliche Entzerrung der
Sonntagsöffnungen in einem angemessenen Zeitrahmen für 85 Stadtteile."
Selbst eine Lösung auf Stadtbezirksebene würde dazu führen, dass sich
absurde Konkurrenzsituationen ergäben: In Lindenthal würde es zu einem
Wettkampf zwischen der Dürener Straße, dem Carrée Sülz-Klettenberg, der
Aachener Straße und dem Rheincenter in Weiden sowie den Möbelhäusern in
Marsdorf kommen. In Mülheim müsste zum Beispiel die Bergisch Gladbacher
Straße in Holweide gegen die Dellbrücker Hauptstraße und die
Frankfurter Straße ankämpfen. Im Stadtbezirk Kalk hätten die Olpener
Straße in Brück oder die Rösrather Straße in Rath gegen die Köln
Arcaden und die Kalker Hauptstraße ebenfalls kaum eine Chance.
Die IG KÖLN VorOrt ist davon überzeugt, dass gerade die räumliche und
zeitliche Entzerrung der Sonntagsöffnungen über die Stadtbezirksgrenzen
hinaus das ausschlaggebende Moment sind, um jenen Veedelstourismus zu
erzeugen, der Kunden aus Worringen oder Rodenkirchen zu einem
verkaufsoffenen Sonntag nach Mülheim oder Lindenthal bewegt. Eine
Konkurrenzsituation zur Innenstadt und/oder Sonntagsöffnungen innerhalb
eines Stadtbezirks oder weniger als 24+3 Sonntagen im Jahr wäre der
Totschlag von allen Stadtteilveranstaltungen wie Kunst-Meilen, Straßen-
oder Pfarrfesten und vielem mehr in den Vororten. Michael Musto:
"Positionen, die weniger als 24 plus 3 oder 4 Aktivsonntage fordern, an
denen Handel betrieben werden darf, bleiben mir unverständlich, da der
Rahmen von 3 oder 4 mal 5 Öffnungsstunden von 13 bis 18 Uhr an
Sonntagen, also ohnehin maximal nur 20 Arbeitsstunden im Jahr, dadurch
überhaupt nicht tangiert wird. Wer dies verstanden hat, kann doch nicht
ernsthaft wollen, dass sich die wenigen, also 20 Arbeitsstunden pro
Jahr so knubbeln, dass sie durch fatale und überflüssige
Konkurrenzsituationen - gerade auch für die Arbeitsplätze selbst -
betriebswirtschaftlich ad absurdum geführt werden."
Die IG KÖLN VorOrt schlägt daher vor, die alte Regelung „pro Standort“,
sowie 24+3 oder 24+4 Sonntage beizubehalten und auf keinen Fall zu
unterschreiten. Dann gibt es noch 24 Sonntage ohne Kommerz und völliger
Ruhe in Köln. So könnten die Hauptstraße in Rodenkirchen, die
Berrenrather Straße in Sülz und die Olpener Straße in Brück sich einen
selben Sonntag teilen, ohne dass es zu massiven Konkurrenzsituationen
im jeweiligen, direkten Umfeld kommt. Musto: "In Italien, einem streng
katholischen Land, gibt es an keinem Sonntag Diskussionen über
Ladenöffnungen. Und in Köln debattieren wir nun über 20 Öffnungs- und
Arbeitstunden im Jahr pro Standort?"
In einem Schreiben vom 26. Oktober 2009 nimmt die IG KÖLN VorOrt
Stadtdirektor Guido Kahlen in die Pflicht: "Da die Leitung der
Konsensrunde Ihnen, sehr geehrter Herr Kahlen, obliegt, appellieren wir
nun an Ihren Einfluss und Ihr politisches Geschick, den Kaufleuten in
Köln eine für alle Akteure sinnvolle Situation und Anzahl an räumlich
entzerrten Sonntagen zu erhalten. Mit einer Änderung der jetzigen
Regelung verantworten Sie für den Kölner Einzelhandel – insbesondere
der Mittelzentren – eine reale Bedrohung der Existenz."
|
|
|
Impressum und Nutzungsbedingungen
Seitenabrufe heute: 5.653 | Seitenabrufe gestern: 13.273 | Seitenabrufe 2005: 1.281.214 | Seitenabrufe 2006: 7.579.880 | Seitenabrufe 2007: 9.814.237
Seitenabrufe 2008: 10.464.693 |Seitenabrufe 2009:
5.312.413 | Seitenabrufe 2010: 1.786.180
|